Pflichtteilsrecht

Im österreichischen Erbrecht ist der zukünftige Erblasser in seinen Verfügungen eingeschränkt: Ein bestimmter Kreis nahestehender Personen hat einen Anspruch auf eine Mindestbeteiligung am Nachlassvermögen.

Im Pflichtteilsrecht werden der Anspruch der Angehörigen als Pflichtteil und die berechtigten Personen als Pflichtteilsberechtigte bezeichnet. Der Pflichtteilsanspruch ist dabei immer ein Anspruch gegen die Verlassenschaft auf Bezahlung des Pflichtteiles in Geld. Das Pflichtteilsrecht stellt daher eine wesentliche Einschränkung der Testierfreiheit dar und ist bei jeder Nachlassplanung unbedingt zu berücksichtigen. Wir beraten Sie gerne, mit welchen Einschränkungen Sie bei Ihrem letzten Willen rechnen müssen.

Die Berechtigten im Pflichtteilsrecht

Berechtigt sind die Nachkommen des zukünftigen Erblassers sowie der Ehegatte (wenn zum Zeitpunkt des Todes in aufrechter Ehe verheiratet) bzw. der eingetragener Partner.

Die Höhe des Anspruchs im Pflichtteilsrecht

Die Höhe des Pflichtteils hängt mit der gesetzlichen Erbfolge zusammen. Den Nachkommen und dem Ehegatten gebührt ein Pflichtteil in der Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteiles.

Achtung: Sowohl auf das Erbe als auch auf den Pflichtteil können Nachkommen und Ehegatte bereits zu Lebzeiten verzichten!

Die Minderung und Entziehung des Pflichtteils

Der Pflichtteil kann unter bestimmten Umständen gemindert oder sogar entzogen werden.

Eine Minderung (auf die Hälfte) ist möglich, wenn der Pflichtteilsberechtigte zu keiner Zeit (oder zumindest über keinen längeren Zeitraum vor dem Tod) in einem Naheverhältnis mit dem Erblasser stand. Als Naheverhältnis versteht man dabei eine Beziehung, wie sie üblicherweise zwischen Familienangehörigen besteht.

Ein Entzug des gesamten Pflichtteils ist wiederum bei vorsätzlich begangenen und gerichtlich strafbaren Handlungen möglich, die mit einer mehr als einjährigen Freiheitsstrafe bedroht sind. Die Handlung muss sich dabei gegen den Verstorbenen, dessen Ehegatten, Lebensgefährten oder seine Verwandten richten.

Weitere Gründe für einen Entzug des Pflichtteils sind:

  • Die absichtliche, versuchte oder vollendete Vereitelung des wahren letzten Willens („Verschwindenlassen“ des Testaments;)
  • Die Zufügung schweren seelischen Leides in verwerflicher Weise gegen den Verstorbenen;
  • Die grobe Vernachlässigung der familienrechtlichen Pflichten gegenüber dem Verstorbenen;
  • Die Verurteilung wegen einer oder mehrerer mit Vorsatz begangener strafbarer Handlungen mit einer lebenslangen oder zwanzigjährigen Freiheitsstrafe.
Pflichtteilsrecht: beachten Sie die Einschränkung Ihres letzten Willens!
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