201809.0519

Risiko Testament – eine Anleitung zur Verfassung des letzten Willens

Anleitung zur Verfassung des letzten Willens

Viele Menschen haben den Wunsch, ihren letzten Willen in Form eines Testamentes festzuhalten und selbst zu bestimmen, was mit ihrem Nachlass passiert. Verschiedene Formvorschriften haben in letzter Zeit zu einer großen Unsicherheit geführt, ob das eigene Testament überhaupt gültig ist.

Zunächst braucht es ein paar grundlegende Informationen, wie und in welcher Form ein Testament in Österreich überhaupt errichtet werden kann. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen dem eigenhändigen und dem fremdhändigen Testament.

Das eigenhändige Testament

Der Text eines eigenhändigen Testaments muss von dem Testamentsverfasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben (mit Vor- und Zuname) werden, wobei die Unterschrift am Ende des Textes erfolgen muss.

Keine Gültigkeitsvoraussetzung aber trotzdem empfehlenswert ist es, ein Datum auf dem Testament zu vermerken.

Zeugen sind für das eigenhändige Testament nicht notwendig.

Das fremdhändige Testament

Zunächst bedeutet „fremdhändig“, dass das Testament mit einer Schreibmaschine, mit einem PC oder auch handschriftlich von einer anderen Person verfasst sein kann.Die Gültigkeitsvoraussetzungen für ein fremdhändiges Testament sind komplexer: Das Testament muss auf jeden Fall vom Erblasser eigenhändig unterschrieben werden. Auch muss das fremdhändige Testament den Zusatz enthalten, „dass die Urkunde den letzten Willen des Erblassers“ enthält.

Besonders wichtig ist auch, dass das Testament vom Testator vor drei Zeugen, deren Identität aus der Urkunde hervorgehen muss (Angabe des Geburtsdatums und des Wohnortes unterfertigt werden muss. Die Zeugen müssen den Inhalt des Testaments nicht kennen, sondern nur bestätigen, dass die Urkunde den letzten Willen des Erblassers enthält. Um dies zu bestätigen, unterfertigen die Zeugen das Testaments – und zwar mit einem auf die Zeugeneigenschaft hinweisenden, eigenhändigen Zusatz (z.B. „als Testamentszeuge“).

Vorsicht: folgende Zeugen kommen nicht in Betracht: Personen unter 18 Jahren, Blinde, Taube oder Stumme, Personen, die die Sprache, in der das Testament verfasst wurde, nicht verstehen und sogenannte „befangene“ Zeugen. Befangene Zeugen sind Personen, die selbst durch das Testament begünstigt werden oder mit einer solchen Person verwandt oder verschwägert sind.

Das ungültige Testament

Bei der Errichtung letztwilliger Verfügungen (Testamenten) müssen die Formvorschriften auf jeden Fall eingehalten werden. Diese sind zwingend. Sie sollen einerseits dem Testator die Bedeutung seiner Erklärung bewusst machen, sodass er sie mit Überlegung trifft, andererseits Streitigkeiten nach seinem Tod verhindern. Den Formvorschriften kommt demnach sowohl Warn- als auch Beweisfunktion zu. Wurde die Form nicht gewahrt, so ist die Anordnung des Erblassers – selbst bei klarem und eindeutig erweisbarem Willen – ungültig!



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